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Schlechte Gewohnheiten verändern

 

Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass sich das Gehirn nicht mehr verändern kann, wenn die Entstehung und Vernetzung von  Nervenzellen in der Kindheit abgeschlossen ist. Nun entdeckt die Wissenschaft zunehmend, dass das Gehirn sich sehr wohl verändern kann. Die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und neu zu strukturieren, nennt man Neuroplastizität.

400 Jahre lang dachten wir, das Gehirn wäre so etwas wie eine aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte Maschine. Diese mechanistische Sichtweise bedeutete, dass man bis dahin davon ausging, dass  Persönlichkeit, Überzeugungen oder Gewohnheiten nicht und wenn überhaupt nur in der frühen Kindheit zu ändern seien. Denn Maschinen können sich nicht neu strukturieren.
Die Entdeckung der Neuroplastizität im späten 20. Jahrhundert hat den Beweis erbracht, dass viele Aspekte des Gehirns sehr wohl veränderbar sind.  Und diese Fähigkeit nimmt auch nicht mit zunehmendem Alter ab.

Erfahrungsbedingte Neuroplastizität

Was auch immer wir wiederholt erfahren, denken, tun und fühlen, erschafft langsam aber sicher eine neuronale Struktur  – einfacher ausgedrückt – einen Pfad im Gehirn.

Im Englischen sagt man “Neurons that fire together wire together.“ Übersetzt: Neuronen, die zusammen feuern, verdrahten/verknüpfen sich. Tag für Tag verstärken wir so in unserem Gehirn durch intensives, wiederholtes Denken, Fühlen und Handeln bereits vorhandene und/oder bilden neue Strukturen.
Das kann zu unserem Vorteil oder unserem Nachteil geschehen. Diese Veränderungen  können dazu führen, dass wir neue Fähigkeiten erlernen, sie können uns jedoch auch in destruktiven Verhaltensweisen und Situationen festhalten oder sogar krank machen, wenn wir vorwiegend negative Denkmuster und selbstzerstörerische Verhaltensweisen wiederholen. Das kann beispielsweise zu Suchtverhalten, Zwangsstörungen, diffusen Ängsten und depressiven Verstimmungen führen.

Denn unser Gehirn hinterfragt, den Input nicht, sondern speichert einfach alles ab, genau wie ein Computer.

Dank unseres Wissens um die Formbarkeit des Gehirns ist jetzt klar, welche Bedeutung einem bewussten und achtsamem inneren Dialog (unseren Gedanken) zukommt und welchen Einfluss dieser auf eine positivere Grundhaltung und Lebenseinstellung hat. Das gilt natürlich ebenso für alle äußeren Einflüsse z. B. durch Gespräche, Informationen aus unserem Umfeld, Medien usw.

Darüber hinaus sind wir jetzt dank dieser Erkenntnisse in der Lage, neue Behandlungsformen für Störungen und psychische Erkrankungen zu entwickeln – auch für solche, die man bisher für unheilbar hielt.

Negative Gewohnheiten, Ängste und Zwangsstörungen lassen sich gut beeinflussen, indem man die Betroffenen über Neuroplastizität aufklärt. Vor dem Hintergrund der Neuroplastizität wird klar, dass je mehr ein Mensch über seine Probleme, Zwänge (z. B. Keime) nachdenkt, in seinen negativen Gedanken verweilt, darüber spricht,  er die Verbindung in seinem Gehirn zwischen dem Problem und Gefahr stärker verdrahtet, statt das zu stärken, was er stärken müsste,

Wenn die Schädigung bzw. negative Beeinflussung des Gehirns zunehmen kann, indem Menschen etwas wieder und wieder tun, dann kann durch die Unterbrechung dieses Kreislaufs, die Funktionsweise des Gehirns sich auch umgekehrt neu strukturieren. Sich diese Zusammenhänge bewusst zu machen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Bei einfacheren Themen kann man sich hier sogar selbst an die Hand nehmen.

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das dazu fähig ist, echte Bewusstheit zu erlangen, sich zu beobachten, sich selbst sozusagen von außen zu betrachten und etwas zu nutzen, was man den unparteiischen Beobachter nennt. Können wir diesen nutzen, zu erkennen, wenn wir ein unerwünschtes Muster wiederholen, in eine negative Gedankenspirale oder einen Strudel zwanghafter, angstvoller Gedanken geraten, können wir unser Bewusstsein auf etwas anderes Positives umlenken.

Durch Bewusstheit und Achtsamkeit können wir die Erkenntnisse der Neuroplastizität so nutzen, dass sie für uns arbeitet und nicht gegen uns.

Wir sind dort, wo unserer Aufmerksamkeit ist. Ist sie auf Negatives ausgerichtet, fühlen wir uns dementsprechend schlecht. Gelingt es uns durch Achtsamkeit positiv zu bleiben, ist unsere Stimmungslage gleich besser.

Negative Gewohnheiten, dazu gehört auch negatives Denken, sind im Unterbewusstsein verankert. Alles, was wir wiederholt Tun oder Denken wird von unserem Gehirn zu einer Gewohnheit gemacht, um Energie zu sparen, die Abläufe zu beschleunigen und Ressourcen für Neues freizumachen. Dadurch sind wir in der Lage komplexe Tätigkeiten – wie z. B. Auto fahren – nach einer Lernphase quasi automatisch abzuspulen und nebenbei Musik zu hören oder mit dem Beifahrer zu sprechen.

Unser Gehirn fragt dabei nicht danach, ob das was wir wiederholt tun, positiv oder negativ für uns ist. Es geht davon aus, dass wiederholtes Tun oder Denken sinnvoll ist und legt neuronale Verbindungen an, die immer stärker werden, je mehr wir das Verhalten wiederholen.

Viele Menschen identifizieren sich dann mit dieser Gewohnheit. „Ich bin eben so.“
Die Neuroplastizität lehrt uns jedoch, dass unser Gehirn sich neu strukturieren kann, somit können auch langjährige Gewohnheiten, durch Bewusstwerdung und Fokus auf neue erwünschte Verhaltensweisen verändert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


4 Schritte zum Neustart im Überblick

  1. Innehalten: Negatives Verhalten oder Gedanken bewusst wahrnehmen.
  2. Mach dir bewusst: Das bin nicht Ich. Das ist mein Gehirn, das will, dass ich einer Gewohnheit folge. Dem gewohnten Pfad im Gehirn.
  3. Dem negativen Impuls konstruktives, positives Denken und Verhalten entgegensetzen. Hier greift die Neuroplastizität: Wenn man sein Gehirn konstruktiv benutzt und seine Aufmerksamkeit fokussiert, stabilisiert man alternative Hirnschaltkreise.
  4. Bemerken, dass der Drang einer gewohnheitsmäßigen Handlung oder Denkweise nachzugeben, nachlässt.. An diesem Punkt wird die Gewohnheit von den Betroffenen neu bewertet als nutzlose, schädigende Verhaltensweisen, die ignoriert werden können.

Macht man dies regelmäßig, verändert man langfristig sein Gehirn. Man sagt nicht mehr, diese Gewohnheit bin ich, sondern das ist ein antrainiertes im Gehirn gespeichertes Verhalten.  Der Schlüssel ist hier die Wiederholung. Unser Gehirn lernt durch Wiederholung. Zu wissen, wie unser  Gehirn funktioniert, hilft dabei, dass das Gehirn besser mit uns zusammenarbeitet.

So können wir konstruktiv, tiefgreifende Verhaltensweisen und Denkstrukturen implementieren und zwar durch Einsicht, Bewusstheit und konzentrierte Aufmerksamkeit. Und stetige Wiederholung.

Hypnosetherapie arbeitet bewusst mit den Erkenntnissen der Neuroplastizität. Durch die direkte Arbeit mit dem Unterbewusstsein, in dem alle Gewohnheiten verankert sind, wird die Veränderung zusätzlich beschleunigt und erleichtert.

Quellen und weiterführende Informationen:
Neuroplastizität: ein kurzes Video
Arte: Schlechte Angewohnheiten selbstständig umformen!
Max Planck Society: Synaptische Plastizität – wie das Gehirn lernt

 

Übrigens:  
Sollten deine zwanghaften Gedanken und Gefühle bereits so ausgeprägt sein, dass du das alleine nicht in den Griff bekommst, sind sie möglicherweise bereits zu einem gewohnheitsmäßigen Denkmuster geworden und daher tief im Unterbewusstsein verwurzelt.
Hypnose ist eine wunderbare Methode solche gewohnheitsmäßigen Denkmuster aufzulösen.
Meist übernehmen wir die Stimmungslage und das Gesprächsverhalten unserer Eltern bzw. der Menschen, mit denen wir ausgewachsen sind. Wir haben diese Muster verinnerlicht. Wenn du dies verändern möchtest, lass uns gerne über eine Zusammenarbeit sprechen und buche dein persönliches, kostenfreies Kennenlerngespräch.

Dein Kontakt zu mir

Anne Lissmann
Heilpraktikerin für Psychotherapie – Hypnosetherapeutin – Rapid Transformational Therapist

 

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